Zusammenstellung vom 2. November 2026

Recherchiert und zusammengestellt am 2.11.2026. Alle Quellenangaben führen direkt zur Originalmeldung.

Neue Ausgrabungen

Jerusalem: Verkohlte Holzbalken von der Zerstörung des Ersten Tempels entdeckt. Im Nationalpark Jerusalem Walls in der City of David fanden Archäologen der Israel Antiquities Authority und der Universität Tel Aviv Dachbalken, die beim von Nebukadnezar II. verursachten Brand 586 v. Chr. verkohlt und unter geschmolzenem Putz 2600 Jahre konserviert wurden. Die zahlreichen Jahrringe eröffnen neue Möglichkeiten der Dendrochronologie (Ausgrabungsleiterin Efrat Bocher).

Quelle: The Jerusalem Post ↗

Schilo (Tel Shiloh): Drei kanaanäische Vorratskrüge aus der Mittleren Bronzezeit. Die achte Grabungskampagne der Associates for Biblical Research (ABR) erbrachte im Bereich der Favissa (Area D) drei restaurierbare Pithoi mit verkohlten Lebensmittelresten (u. a. Oliven), dazu weitere Mauern der Nordbefestigung (Bent-Axis-Toranlage). Die Funde beleuchten die bronzezeitliche Vorgeschichte der Stätte der Stiftshütte.

Quelle: Associates for Biblical Research ↗, The Jerusalem Post ↗

El-Araj am See Genezareth: Zehnte Grabungskampagne mit reichen Funden der römischen Zeit. Herodianische Tonlampen, über 150 Münzen, jüdische Steinfragmente, Netzgewichte, römische Strukturen und ein dorisches Kapitell stützen die These, dass El-Araj das antike Bethsaida-Julias ist; die Abgrenzung gegen andere Kandidaten (etwa et-Tell) bleibt Gegenstand der Forschung.

Quelle: El-Araj Excavation Project ↗

Ophel in Jerusalem: Großes Mikwaot-Ensemble für Pilger am Fuß des Tempelbergs. Nach fünf Kampagnen (Leitung Uzi Leibner und Orit Peleg-Barkat, Hebräische Universität) wurde ein monumentaler Komplex mehrerer Ritualbäder veröffentlicht, darunter ein rund zwölf Meter großes, von allen Seiten begehbares Becken – etwa 50 m unterhalb des (versperrten) Dreifach-Tores der Tempelmauer. Der Befund erhellt die rituelle Vorbereitung der Pilger vor dem Tempelbesuch.

Quelle: The Jerusalem Post ↗

Huqoq (Galiläa): Ausgrabungsprojekt geht in eine neue Phase. Die von Jodi Magness (UNC Chapel Hill) geleiteten Grabungen mit den berühmten spätantiken Synagogenmosaiken münden in das Projekt „Judeo-Christian Heritage in the Galilee“ (Albright Institute, Israel Antiquities Authority und US-Partner), das die antike Synagoge der Öffentlichkeit erschließen soll.

Quelle: UNC-Chapel Hill ↗

Überblick: „Sechs archäologische Entdeckungen 2026, die unser Bild der Bibel verändern“. National Geographic bündelt die wichtigsten Funde des Jahres – u. a. das byzantinische Baptisterium von Hippos-Sussita mit wiederaufgedecktem Taufbecken, die Holzbalken von der Zerstörung des Ersten Tempels, die Ashurbanipal-Stele aus Ninive (vgl. Asnappar in Esra 4,10) und wiedergewonnene Seiten des Codex H.

Quelle: National Geographic ↗

Handschriften und Qumran

Die Große Jesajarolle (1QIsaa) war ursprünglich zwei getrennte Rollen. Marcello Fidanzio (Università della Svizzera italiana) zeigt, dass die Unterschiede zwischen den ersten acht und den letzten neun Pergamentblättern daher rühren, dass zwei eigenständige Rollen erst später zu einer zusammengefügt wurden. Seit 23. Februar 2026 ist die 7,34 m lange Rolle im Israel Museum erstmals seit 1968 vollständig ausgerollt zu sehen (Ausstellung „A Voice from the Desert“).

Quelle: The Times of Israel ↗, The Times of Israel (Ausstellung) ↗

ERC-Projekt „Tracing Scribes and Scrolls“: Woher stammen die Schriftrollen vom Toten Meer? Die European Research Council fördert das fünfjährige internationale Vorhaben unter Mladen Popović (Universität Groningen) mit 2,5 Mio. €. Etwa 250 Proben der IAA-Sammlung werden mit KI-gestützter chemischer, paläographischer und kodikologischer Analyse kartiert, um Schreib- und Lernzentren im antiken Judäa zu identifizieren.

Quelle: The Jerusalem Post ↗, Archaeology Magazine ↗

Manchester: Verborgener Text auf „leeren“ Qumran-Fragmenten sichtbar gemacht. Multispektralaufnahmen von 51 jahrzehntelang als unbeschrieben geltenden Fragmenten der Universitätsbibliothek Manchester erbrachten auf vier Stücken bisher unsichtbare hebräische und aramäische Buchstaben, darunter klar das Wort „Schabbat“. Ein umfassender wissenschaftlicher Bericht ist angekündigt.

Quelle: Syriac Press ↗

„Cryptic B“ erstmals entziffert. In Dead Sea Discoveries 33/2 (2026) werden die beiden kryptischen Qumran-Handschriften 4Q362 und 4Q363 erstmals entziffert, transkribiert und übersetzt – über 70 Jahre nach der Entzifferung von „Cryptic A“ (1955). Der Inhalt spiegelt bekannte biblische Redewendungen und eschatologische Themen.

Quelle: Dead Sea Discoveries (Brill) ↗

Oslo: Multispektralprüfung der Qumran-Fragmente der Sammlung Schøyen. Das Center for the Study of New Testament Manuscripts (CSNTM) digitalisierte 31 Fragmente, darunter MS 4612-1 (Joel 4,1–5). Die Aufnahmen zeigen teils für das bloße Auge unsichtbaren Text, aber auch Tintenbefunde, die auf eine Überschreibung des abgenutzten Leders hindeuten – möglicherweise der erste dokumentierte Fall einer solchen Fälschungstechnik (Årstein Justnes).

Quelle: CSNTM ↗

Codex H: 42 verschollen geglaubte Seiten wiederhergestellt. Die griechische Bibelhandschrift aus dem 6. Jahrhundert war von Mönchen vor etwa 800 Jahren in Buchbindungen versteckt worden; eine Restaurierungskampagne konnte die Blätter aus den Einbänden lösen und digital zusammenführen.

Quelle: Bible Gateway News ↗

Neue Kommentare und Ankündigungen

Pillar Old Testament Commentary (POTC): Eerdmans startet die Schwesterreihe der Pillar New Testament Commentary. Auftaktband ist Duane A. Garrett, Psalms 1–72 (2026, xxxiv+686 S.). Es folgen John D. Currid, Joshua (Erscheinen 15. Oktober 2026) und – für Frühjahr 2027 angekündigt – Gary V. Smith, 1 Chronicles. Herausgeber der AT-Reihe ist Eric J. Tully; Eerdmans bündelt die Reihe im neuen Imprint „Pillar Books“.

Quelle: Eerdmans ↗, Reading Acts (Rezension) ↗, Eerdmans (Currid, Joshua) ↗

NICOT: Tremper Longman III, The Book of Ecclesiastes – zweite, erweiterte Auflage (Eerdmans 2026). Gegenüber 1998 um rund vierzig Seiten gewachsen; Bibliographie und Fußnoten auf den Stand von 25 Jahren Kohelet-Forschung gebracht (u. a. Krüger, Crenshaw, Fox). Die Auslegung liest Kohelet als Solomo-Nomaskerade zwischen Prolog und Epilog.

Quelle: Reading Acts (Rezension) ↗

NICOT: Aubrey E. Buster & John H. Walton, The Book of Daniel, Chapters 1–6 (Eerdmans, seit November 2025). Die Hofgeschichten (Traum, Feuerofen, Löwengrube) in eigener Übersetzung; der Begleitband zu Kapiteln 7–12 ist separat erschienen.

Quelle: The Picky Reader (Erscheinungskalender) ↗

Anchor Yale Bible: Sirach- und Tobit-Bände in Arbeit – besonders relevant für diese Seiten. Bei der Anchor Yale Bible sind angekündigt: The Wisdom of Ben Sira 25–51 (Samuel L. Adams & Eric D. Reymond) sowie Tobit (Daniel A. Machiela & Gary A. Anderson). Damit rücken die deuterokanonischen Weisheitsschriften in die erste Reihe der englischsprachigen Kommentarreihen.

Quelle: Best Commentaries (AYB, forthcoming) ↗

EKK: Studienausgabe zu 1 Korinther Teilband III angekündigt (Erscheinen vsl. Oktober 2026). Walter Schrage, Der erste Brief an die Korinther, Teilband III: 1 Kor 11,17–14,40 (EKK VII/3, Patmos Verlag).

Quelle: beck-shop.de (EKK-Reihe) ↗

Neuer Stuttgarter Kommentar: Matthias Ederer, Das Buch Richter (Katholisches Bibelwerk 2026). Rund 320 Seiten; die Reihe (u. a. Dohmen, Genesis 1–11) wächst weiter.

Quelle: beck-shop.de ↗

HThKAT: Ilse Müllner, 2 Samuel 11–24 (Herder 2025; digital in Logos seit 19. Juni 2026). Neuester deutschsprachiger Kommentar zu 2 Samuel seit Dietrichs BK.AT-Band; Müllner liest den Text rückwärts vom Ende her („Von hinten nach vorne“) und verzichtet zugunsten einer erzählerischen Endtextexegese auf die klassische Fortschreibungsrekonstruktion.

Quelle: Logos-Blog (Rezension) ↗

Methodik: „Methoden der neutestamentlichen Exegese“ in zweiter, erheblich erweiterter Auflage (Rüggemeier / Mührenberg / Finnern). Der Band dokumentiert die verbreiterte Methodenlandschaft – Erzählkritik, soziale Welten, materiale und mediale Perspektiven – und wurde auf der Herbsttagung des Evangelischen Theologiekurses vorgestellt.

Quelle: Fokus Theologie ↗

WiBiLex und WiReLex: Jahrgang 2026 gestartet – 98 neue Artikel. Die Deutsche Bibelgesellschaft hat 29 neue WiBiLex-Artikel (24 AT, 5 NT; von „Arwad“ bis „Zypern“ bzw. „Artemis“ bis „Rabbi (NT)“) und 69 WiReLex-Beiträge veröffentlicht; alle Artikel auch als zitierfähiges PDF.

Quelle: die-bibel.de ↗

Wichtige Webseiten und Portale

Zusammengestellt am 2. November 2026 · Nächste Zusammenstellung folgt.

Archiv

Historische Einträge der Vorgängerseite (2003) zum „Jahr der Bibel 2003“ (Bibelwerk Linz, www.dioezese-linz.at/bibel; 2003dasjahrderbibel.de) sind online nicht mehr erreichbar und werden hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.